Gilles Marchand

Grosse Freude über das 10-Jahr-Jubiläum von Cinéforom

Seit zehn Jahren steht dieses Modell für die feste Überzeugung, dass wir – Kantone, Städte, Institutionen, unabhängige Produktion und öffentliches Fernsehen – gemeinsam stärker sind.

Die Geschichte des Films verschmilzt in der Westschweiz mit derjenigen von TSR und später RTS. Auf diesem Gebiet besteht eine einzigartige Partnerschaft. Mit Kinofilmen, Dokus und seit gut zehn Jahren auch Serien sind wir gemeinsam gewachsen und haben auf die immer schnellere und komplexere Entwicklung der audiovisuellen Landschaft immer wieder Antworten gesucht und auch gefunden.

Um die Jahrtausendwende ist mit der Loterie Romande ein weiterer wichtiger Akteur hinzugekommen, der einen sehr grossen Beitrag zur Finanzierung von Kultur und Film in der Westschweiz leistet. In jener Zeit entstand der legendäre Fonds Régio Films. Getragen wurde dieser Vorläufer automatischer Finanzierungsmechanismen von einigen Mitstreitern wie Frédéric Gonseth, Raymond Vouillamoz und Philippe Maillard, damals Direktor der Loterie Romande.

Dann haben sich die Kantone und Städte angeschlossen, denn sie haben verstanden, wie wichtig diese effiziente Allianz für die Westschweiz ist. Und nach und nach ist die Idee von Cinéforom herangereift … Man denke etwa an die endlosen und kreativen Berechnungen von Jean-Michel Cruchet, den unermüdlichen pädagogischen Einsatz von Thierry Spycher und Frédéric Gonseth, die ansteckende und visionäre Begeisterung von Robert Boner oder die geschickte Planungs- und Aufbauarbeit von Gérard Ruey. Inzwischen hat sich das Modell als professionell erwiesen und eine neue Generation tritt die Nachfolge an.

Aber abgesehen von seiner Geschichte: Warum ist dieses Abenteuer so wichtig? Weil es aufzeigt, wer wir sind.

Es illustriert wunderschön dieses Westschweizer Biotop, das die Kreativität begünstigt und in dem wir uns auch auf den ganzen frankofonen Fundus stützen können. Minoritäre Koproduktionen mit unseren frankofonen Kolleginnen und Kollegen – eine weitere Westschweizer Erfindung – sind sehr gewinnbringend. Sie steuern Produktionsleistungen und Know-how bei. Und unsere Produktionen werden in der weitläufigen französischsprachigen Landschaft wahrgenommen und geschätzt. Diese Öffnung ist wichtig. Die Westschweiz ergibt sich nicht der Subsidiarität zwischen öffentlicher Hand und Privatinitiative, die bisweilen in anderen Landesteilen gepflegt wird. Nein, statt auf Subsidiarität setzen wir hier auf Komplementarität.

Nun möchte ich noch auf drei wichtige Punkte zu sprechen kommen, die dieses Jahrzehnt geprägt haben.

Da ist zunächst das klare Bekenntnis zur TV-Serie bei RTS. Seit 2010 fördert RTS zunehmend Serien. Und diese Entwicklung hat sich nicht nachteilig auf den Dokumentar- oder Kinofilm ausgewirkt. Sie hat viel mehr dazu beigetragen, das Volumen und die Sichtbarkeit der Fiktion im Fernsehen zu erhöhen. De facto hat sie die Produktion gestärkt. Und erfreulicherweise ist festzustellen, dass wir in diesen zehn Jahren in allen Westschweizer Kantonen gedreht haben. Im Jahr 2018 hat diese Strategie mit der konsequenten Reinvestition der SRG in diesem Bereich sogar noch an Bedeutung gewonnen.

Dann ist da die Politik, die immer wieder Einfluss auf den Film nimmt. Nach der Revision des RTVG, die 2015 mit wenigen tausend Stimmen Vorsprung angenommen wurde, haben wir No Billag 1 an der Urne abgelehnt. Ein harter Kampf, der in ganz Europa für Aufsehen sorgte. Dann hat die Branche vor einigen Wochen einen Sieg errungen und das Referendum gegen das Filmgesetz abgeschmettert. Dieser Text zwingt endlich (!) auch die Werbegefässe, die den Schweizer Markt aushöhlen, ein wenig von ihren Einnahmen in unserem Land zu investieren. Und kaum haben wir No Billag 1 gewonnen, kommt nun die noch perfidere Vorlage No Billag 2, die darauf abzielt, die Mittel für den Service public geradewegs zu halbieren. Ein langsamer Erstickungstod. Die Auswirkungen auf unser dezentrales Modell, auf die Vielfalt unserer Produktionen, die Beschäftigung, das Know-how und indirekt die ganze Privatindustrie wären natürlich massiv. Der Kampf beginnt wieder von Neuem. Wir werden ihn mit Überzeugung und Entschlossenheit führen. Das Ganze ist für unsere europäischen Kollegen nur schwer zu verstehen, die mit den Instrumenten unserer direkten Demokratie weniger vertraut sind.

Schliesslich ist da noch der Markt selbst, der ausser Rand und Band gerät. Mit neuen Playern, vor allem im Bereich der Distribution, aber auch in der Produktion. Die zehn Internetgiganten verfügen heute nämlich über ein 30-mal höheres Budget als die 64 Service-public-Medien Europas. Aber bei fast 60 Prozent der in Europa in Auftrag gegebenen Spielfilme steht der Service public dahinter. So sieht die neue Realität aus.

Und deshalb muss der Service public auch weiterhin auf allen seinen Plattformen die Filme und Serien zeigen dürfen, die mit seiner Unterstützung entstehen. In der Schweiz betrifft dies selbstverständlich unsere Fernsehsender, aber auch die regionalen Streaming-Plattformen. Und seit 2021 Play Suisse. Unsere nationale Streaming-Plattform ist inzwischen bei einer halben Million Accounts angelangt. Die Konten sind passwortgeschützt … und das Log-in ermöglicht Personalisierungen und Empfehlungen. 47 Prozent der auf Play Suisse angeschauten Videos werden in einer anderen Schweizer Sprachregion produziert. Das ist die politische und kulturelle Herausforderung von Play Suisse und der 3000 in den Landessprachen untertitelten und manchmal auch synchronisierten Videos. Und diese gemeinsame Herausforderung übersteigt die regionalen Interessen und Reflexe bei Weitem.

Über all dies werden wir im Rahmen unseres nächsten Pacte de l’audiovisuel diskutieren. Zweifellos wird sich eine intensive Debatte ergeben. Sie ist aber wichtig. Am wichtigsten aber ist, dass wir alle entschlossen sind, gemeinsam zu einem neuen soliden und nachhaltigen Pacte zu finden.

Lang lebe Cinéforom!

 

 

 

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