Gilles Marchand

Das Genfer Menschenrechts-Filmfestival FIFDH als Gedächtnisspritze

Ich freue mich jedes Jahr, wenn wieder FIFDH-Zeit ist. Denn das Forum und Filmfestival zum Thema Menschenrechte in Genf ist für unsere audiovisuelle Branche wichtig.

Das FIFDH wirkt wie eine Auffrischungsimpfung: Sie erinnert uns daran, dass unsere Produktionen eine zentrale Rolle spielen, dass es ihre Aufgabe ist, zu erzählen, zu erklären, sich einzusetzen und anzuprangern. Dass unsere Kameras Missstände in den Fokus nehmen und Verletzungen der Menschwürde und der Grundrechte in Bilder bannen müssen.

Die Rolle des aufmerksamen Wächters sollte in den Leitbildern und Aufträgen aller Akteure der Branche festgeschrieben sein, allen voran in jenen öffentlicher Veranstalter.

Von Distanziertheit zu Engagement

Es ist auch ihre Aufgabe, anschliessend die grundlegenden Fragen zu diskutieren, die sich in Bezug auf Distanz vs. Einbezug, verlässliche Fakten vs. Manipulation, die Perspektive des bewussten Autors vs. die nüchterne Darsellung stellen.

Das FIFDH erinnert uns eindringlich an den Sinn unseres Tuns und vor allem an eine unserer Grundaufgaben: zu informieren.

In vielen Ländern mutet die Debatte über den Sinn audiovisueller Produktion dürftig an. Sie dreht sich einzig um das wirtschaftliche Kräftemessen zwischen Privaten und Öffentlichen inmitten der Wirren des digitalen Umbruchs. Die einen bewusst zu schwächen, um die anderen zu stärken, ist der falsche Ansatz, die falsche Betrachungsweise.

Öffentliche audiovisuelle Veranstalter zu stutzen, hilft den Printmedien nicht. Die Mittel fliessen nicht einfach automatisch vom einen zum anderen! Es ist sinnvoller und weit interessanter, wenn die Gemeinschaft von öffentlichen Radio- und Fernsehanbietern wissen will, was diese mit den Geldern machen, die ihnen zur Verfügung gestellt werden, und wie sie die unmögliche Gleichung lösen, mit Qualitätsanforderungen auf der einen und Erfolg bei der breiten Öffentlichkeit auf der anderen Seite.

Wenn Filme die sozio-politische Debatte bereichern

Antworten auf diese Fragen liefert RTS zum Beispiel am FIFDH.

Einerseits begleiten Radio und Fernsehen das Festival mit gut einem Dutzend RTS-Sendungen. Die Inhalte werden beleuchtet, die Anliegen weitergetragen und diskutiert, in der Schweiz wie im französischsprachigen Raum, den wir zusammen mit unseren Freunden von TV5Monde gerne bereisen.

Andrerseits fungieren RTS-Journalisten als Moderatoren bei Debatten und Diskussionsrunden. Und nicht zuletzt laufen am Festival neun Dokumentar- und Spielfilme, die RTS koproduziert oder vorfinanziert hat. Ein gewichtiger Aspekt, der unserer Arbeit Berechtigung verleiht: Mit Filmen und Reportagen zur sozio-politischen und kulturellen Debatte beizutragen.

Dazu braucht es Mittel, Know-how und auch ein Quäntchen Ehrgeiz. Doch der Einsatz ist ungeheuer wichtig, gerade in der Schweiz, einem Land der kulturellen Vielfalt, in dem so viele internationale Organisationen und Unternehmen ihren Sitz haben!

Vor diesem Hintergrund müsste die grosse Mediendebatte geführt werden. Und die Diskussion um die Bedeutung und den Beitrag für die Gesellschaft. Genau hier liegt der Kern der Medienlegitimierung, im Herzen der neuen digitalen Welten.

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