«Expertinnen und Experten» bei RTS

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Wer «Les Experts» hört, denkt als Französischsprachiger meist sofort an eine sehr beliebte US-amerikanische Serie, ein Quotenhit auf allen Kanälen. Auch wir haben diese Serie im Programm, bei uns ist das «Expertentum» aber nicht reine Fiktion.

Bei RTS sind 1700 Wissenschafterinnen und Wissenschafter als Experten für die Plattform «Avis d’Experts» im Einsatz. Seit 2013 besteht diese Kooperation zwischen dem «Triangle Azur» (Universitäten Genf, Lausanne und Neuenburg) und RTS. Jetzt wurde sie erfolgreich neu gestaltet. Eines verbindet diese Expertinnen und Experten: Sie alle haben sich in Radio- und/oder Fernsehsendungen von RTS zu verschiedenen Themen geäussert. So konnten wir zusammen eine einzigartige Wissensdatenbank schaffen. Sie besteht nicht nur aus dieser Gemeinschaft von 1700 Expertinnen und Experten, sondern auch aus 5000 Medienbeiträgen, in denen sich nach Thema und Autor suchen lässt. Hier zeigt sich die Vitalität der Wissenschaft in der Westschweiz in ihrer ganzen Vielfalt.

Gemeinsame Mission des audiovisuellen Service public und der Universitäten

Aufklären, entschlüsseln, vermitteln: Dies sind die Kernaufgaben des audiovisuellen Service public und der Universitäten. Derzeit befindet sich der Service public in der Schweiz vor allem in Radio und Fernsehen unter heftigem Beschuss. Schauen wir uns in diesem Zusammenhang seine Aufgaben näher an.

Eine vernetzte, auf Unmittelbarkeit ausgerichtete Gesellschaft bietet unzählige Vorteile für alle, die massvoll mit den Entwicklungen der digitalen Kultur Schritt halten können. Eine solche Gesellschaft geht aber auch Risiken ein. Die Zersplitterung und Fragmentierung der Soziokultur ist eine der grössten Gefahren. Dasselbe gilt für unsere demokratischen Systeme und ganz speziell für die direkte Demokratie: Wer keinen Zugang zu Wissen hat, wer nicht versteht, was auf dem Spiel steht, wer die verschiedenen Standpunkte nicht offen, ehrlich und massvoll zur Kenntnis nehmen kann, verliert den Anschluss. Bürgerinnen und Bürger können ihre Rechte und Pflichten nur wahrnehmen, wenn diese Voraussetzungen gegeben sind. Hierbei geht es um Aufklärung und Information, um die Unabhängigkeit der Beobachter, um die Unabhängigkeit der Information, um die Unabhängigkeit der Recherche, damit sich jeder und jede eine eigene Meinung bilden kann.

In unserer digitalisierten Gesellschaft ist der Wandel nahezu die einzige Konstante. Frenetische Innovationen prägen unser Leben und Wirken. Damit diese Innovationen nicht exklusiv bleiben, muss ein freier Zugang gewährleistet sein. Zusammenführen, in aller Unabhängigkeit aufklären, den Zugang zu Innovationen sicherstellen: Die Universitäten und der Service public haben keine geringe Last zu tragen. Auch darum ist unsere Zusammenarbeit so wichtig.

«Haben Fische überhaupt Durst?»

In der Westschweiz besteht diese Zusammenarbeit seit 2001 im Rahmen einer Vereinbarung zwischen der Conférence intercantonale de l’instruction publique de la Suisse romande et du Tessin (CIIP) und RTS. Daraus entstand die Website «TSR découverte» (heute «RTS découverte»). 2008 übernahm Tania Chytil die Leitung. Sie sorgt seither dafür, dass diese Website inzwischen 175 pädagogische Dossiers anbietet. Lehrpersonen finden hier stufengerechte Inhalte, die sich nach Themen oder Lernzielen des Westschweizer Lehrplans (Plan d‘étude romand, PER) durchsuchen lassen. Tania Chytil unterstützt uns bei dringenden Fragen, die sich nicht ohne weiteres beantworten lassen. Ein Beispiel für eine Frage, deren Antwort sich übrigens auf der Plattform findet: «Haben Fische überhaupt Durst?».

2009 machte RTS den nächsten Schritt und nahm mithilfe der Plattform «Avis d’Experts» eine neue Zusammenarbeit mit den Universitäten der Westschweiz auf. Den Universitäten Genf, Lausanne und Neuenburg und ihren Rektoraten schulden wir grossen Dank, handelt es sich doch um eine einzigartige und effiziente Partnerschaft, die einen Einstieg in die Wissenschaft für alle ermöglicht und zur Qualität journalistischer Berichterstattung beiträgt.

Eine offene Partnerschaft mit ähnlichen Problemen auf beiden Seiten

Die Universitäten des «Triangle Azur» haben ihre Offenheit für Neues bewiesen, da sie auf die Ausschliesslichkeitsbindung der Informationen verzichteten und damit einen für die Arbeit der Redaktionen essenziellen Schritt machten. Mit anderen Worten: Auf dieser Plattform finden sich Expertinnen und Experten aus allen Universitäten und Hochschulen der Westschweiz, den Universitätsspitälern und der grossen Museen. Auch hier versuchen wir, Synergien zu schaffen, da wir der Ansicht sind, dass unsere Region zu klein ist, um Scheingefechte unter «Konkurrenten» auszutragen. Im Gegenteil: Unsere Stärke ist gerade die Fähigkeit, unser Know-how im universitären Bereich wie im Medienbereich gemeinsam zu nutzen. Schliesslich stehen wir ja vor denselben Herausforderungen.

Wir sind gezwungen, um Finanzmittel zu kämpfen, die manch einer gern rein privaten Initiativen zuführen möchte. Wir müssen unsere Institutionen neu gestalten, sie an eine etwas weniger vertikale Logik mit weniger rigiden Trennwänden zwischen den Vektoren beziehungsweise Fakultäten anpassen, um fachredaktions- oder fakultätsübergreifende Ansätze zu ermöglichen. Transparenz ist für uns eines der obersten Gebote, da wir mit öffentlichen Mitteln wirtschaften. Und dennoch sollten wir eine gesunde Distanz zum Staat wahren. Nicht zuletzt sollten wir sorgsam mit unseren Beziehungen zur (Zivil-)Gesellschaft umgehen, um unsere Offenheit unter Beweis zu stellen.

Dies sind die Gründe, weshalb die Zusammenarbeit zwischen den öffentlichen Akteuren so wichtig ist und weshalb für RTS die Zukunft – schon heute hier in Genf und morgen auch in Lausanne – inmitten des Hochschulcampus liegt.

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