Gilles Marchand

Public Value und Service public

Unabhängig von deren Ausgang war die grosse Debatte rund um die «No Billag»-Initiative in mehrfacher Hinsicht lehrreich: Nie zuvor wurden in der Schweiz – und wahrscheinlich auch sonst nirgends in Europa – Auftrag, Finanzierung und Rolle des Service public so intensiv diskutiert. Die aus der Debatte gewonnenen Erkenntnisse sind eindeutig und wurden in vielen Ländern mit grösster Aufmerksamkeit aufgenommen.

Das Thema bewegt die Schweizerinnen und Schweizer, die eine enge, manchmal sehr persönliche Beziehung zu den Sendungen und den Persönlichkeiten am Bildschirm entwickeln – ungeachtet der Nutzungsweise (Radio, TV, online). Diese komplexen Beziehungen, die geprägt sind durch lange zurückliegende, aber auch unmittelbare Erfahrungen, erklären denn auch die Heftigkeit der Reaktionen und die Leidenschaftlichkeit, mit der die Debatte geführt wurde. Das Thema lässt niemanden kalt, die Meinungen sind gemacht.

Doch eines ist sicher: Der direkte Dialog zwischen der Bevölkerung und ihrer Service-public-Anbieterin ist ausserordentlich wichtig. Denn Service public ist ein öffentliches Gut, das allen gehört. Das gilt umso mehr in Ländern, die wie die Schweiz ein allgemeines Gebührenmodell kennen.

Deshalb hat die SRG nach «No Billag» beschlossen, den Austausch mit der Bevölkerung fortzusetzen. Wir haben hierfür ein äusserst interessantes Instrument entwickelt, mit dem wir den Beitrag unseres Service public an die Schweizer Gesellschaft eingehend untersuchen – den tatsächlichen und den wahrgenommenen Beitrag. Wir haben den Austausch mit Hunderten von Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit Gruppen und Stakeholdern als Vertreterinnen und Vertreter der Zivilbevölkerung gesucht.

Die ersten Resultate wurden soeben veröffentlicht. Auch wenn die SRG in der Bevölkerung eine hohe Akzeptanz und ein solides Image geniesst, gibt es doch wichtige Bereiche, die es zu vertiefen gilt: so etwa den Bezug zum jungen Publikum, die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, die sichtbare Abbildung der Vielfalt, die «Swissness» des Programmangebots, die Qualität und Ausgewogenheit der Information, den Beitrag zum medialen Ökosystem sowie den Dialog und die Kritikfähigkeit.

Diese wesentlichen Themen werden daher an Diskussionsveranstaltungen und Foren, die der Verein SRG organisiert, in allen vier Regionen der Schweiz vertieft. Alle sollten sich an diesen Debatten beteiligen. Die Ergebnisse werden für die zukünftige Entwicklung der SRG und ihren Beitrag an die Schweiz von Nutzen sein.

Die Wahrnehmung des Public Value ist für den Service public das, was die Nasdaq oder der Dow Jones für börsennotierte Unternehmen sind: ein unverzichtbares Barometer für den Gesundheitszustand unseres Unternehmens. Denn die Daseinsberechtigung des Service public lässt sich nicht auf die Entwicklung der Marktanteile reduzieren.

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