Gilles Marchand

Wir feiern das Schweizer Filmschaffen – im Fernsehen und als Stream

Besondere Zeiten verlangen nach neuen Wegen. So findet die diesjährige Verleihung des Schweizer Filmpreises in Genf pandemiegeschuldet nicht wie gewohnt im BFM, im Bâtiment des Forces Motrices, mit Publikum statt, sondern im kleinen Kreis in den Studios von RTS am Quai Ansermet. Die Verlegung der Feier ist symptomatisch für das, was wir alle in diesem Jahr erlebt und erfahren haben. Sind die Kinos geschlossen und werden Festivals gestrichen, bleibt uns doch das Fernsehen!

Mit Stolz stelle ich fest, dass bei der diesjährigen Ausgabe des Schweizer Filmpreises die SRG 18 der 21 nominierten Filme koproduziert hat, darunter die fünf Spielfilme («Atlas» von Niccolò Castelli, «Mare» von Andrea Štaka, «Platzspitzbaby» von Pierre Monnard, «Schwesterlein» von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond und «Wanda, mein Wunder» von Bettina Oberli) sowie vier der fünf Dokumentarfilme («The Brain» von Jean-Stéphane Bron, «Das neue Evangelium» von Milo Rau, «Il mio corpo» von Michele Pennetta und «Saudi Runaway» von Susanne Regina Meures), alle drei nominierten Animationsfilme, vier der fünf Kurzfilme und zwei der drei Abschlussfilme. Von den insgesamt 42 Nominationen aller Kategorien (Filme, Schauspieler*innen, Techniker*innen) gehen somit 37 an die SRG. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Drei der für den Schweizer Filmpreis nominierten SRG-Koproduktionen: Schwesterlein, Atlas und Mare.

 

Produzieren … und verbreiten

Nicht nur das Koproduzieren macht uns stolz, das Zeigen der Werke ebenso! 2020 hatte die SRG 456 Schweizer Filme im Programm, knapp 100 mehr als noch 2019. Insgesamt rund 145 Filmminuten pro Tag im Dienste des Pacte de l’Audiovisuel. Auch auf diese Art fördern wir die einheimische Produktion. Apropos Pacte de l’Audiovisuel: Der neue Vertrag mit der Filmbranche kam 2020 zustande, wobei die SRG ihr Engagement deutlich verstärkte.

Diese Bemühungen tragen natürlich zur Entwicklung der Schweizer Produktion bei, einer hochwertigen Produktion, wie etwa zwei Filme kurz vor dem ersten Lockdown belegen. Ich denke an «Platzspitzbaby» von Pierre Monnard, der mit grossem Erfolg im Kino lief, und an «Schwesterlein», einen Film Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, der an der Berlinale völlig zu Recht gefeiert wurde.

Feiern müssen wir aber auch alle Produktionen, die 2020 trotz schwierigster Bedingungen gedreht werden konnten. In der Not rückte die Branche zusammen. Die SRG und das BAK, Cinéforom, die Zürcher Filmstiftung oder auch der Teleproduktions-Fonds, alle haben wir gemeinsam nach pragmatischen und effizienten Lösungen gesucht, um die Produktionen zu stützen und den virusbedingten Mehraufwand abzufangen. Besondere Erwähnung verdient auch die Produktion und Distribution in Rekordzeit der 58 Kurzfilme der beiden Serien «Collection Lockdown By Swiss Filmmakers», die auf Play Suisse zu sehen sind. Sie spiegeln die eigenartige Zeit, in der wir leben, auf persönliche, höchst sehenswerte Weise.

Und schliesslich noch ein Wort zum Launch der neuen Streaming-Plattform Play Suisse, die Schweizer SRG- und Pacte-Produktionen bietet, mit Untertiteln in den Landessprachen. Die Plattform zeigt die aussergewöhnliche Vielfalt und die Qualität der Schweizer Produktion. So erstaunt es nicht, dass sich in nur wenigen Wochen über 230’000 Personen auf Play Suisse registriert haben!

Schweizer Filmschaffen auf Play Suisse

Auf Play Suisse sind ab sofort auch die Werke (wieder) zu sehen, die in den letzten Jahren mit dem Schweizer Filmpreis in diversen Kategorien geehrt wurden. Sie vervollständigen die bereits bestehende und verfügbare Kollektion von Siegerwerken des Schweizer Filmpreises. Zu den Werken, die bereits jetzt auf der Plattform verfügbar sind, zählen unter anderem «Ceux qui travaillent» von Antoine Russbach (Bester Spielfilm 2019), «Chris The Swiss» von Anja Kofmel (Bester Dokumentarfilm 2019), «Mein Leben als Zucchini» von Claude Barras (Bester Spielfilm 2017), «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe (Bestes Drehbuch, Beste Darstellerin, Beste Nebendarstellerin 2017) und «Electroboy» von Marcel Gisler (Bester Dokumentarfilm 2015).

Neu aufgeschaltet werden auf Play Suisse die folgenden Titel:

  • «Le milieu de l’horizon» von Delphine Lehericey (Bester Spielfilm 2020)
  • «Immer und ewig» von Fanny Bräuning (Bester Dokumentarfilm 2020)
  • «Blue my mind» von Lisa Brühlmann (Bester Spielfilm 2018)
  • «Above and Below» von Nicolas Steiner (Bester Dokumentarfilm 2016)
  • «All Inclusive» von Corina Schwingruber Ilić (Bester Kurzfilm 2019)
  • «Facing Mecca» von Jan-Eric Mack (Bester Kurzfilm 2018)
  • «La femme et le TGV» von Timo von Gunten (Bester Kurzfilm ex-aequo 2017)
  • «Average Happiness» von Maja Gehrig (Bester Animationsfilm 2020)
  • «Selfies» von Claudius Gentinetta (Bester Animationsfilm 2019)
  • «Airport» von Michaela Müller (Bester Animationsfilm 2018)
  • «Au revoir Balthazar» von Rafael Sommerhalder (Bester Animationsfilm 2017)
  • «Timber» von Nils Hedinger (Bester Animationsfilm 2015)

Das dürfte für einige schöne, lange Corona-Abende reichen!

Ich gratuliere den Nominierten ganz herzlich. Ein Hoch auf den Schweizer Film!

Gilles Marchand
Generaldirektor SRG SSR

 

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